Er ist Hoffnungs- und Image-Träger. Mit ihm möchte VW wieder dem eigenen Namen gerecht werden: Volkswagen. Was der VW Käfer anno 1938 begründete, soll nun der VW up! fortsetzen. Seine Vorgänger VW Fox und Lupo sind an diesen hohen Erwartungen bereits gescheitert.

Der VW up! auf der IAA 2011. Mit dem 13. September ist der Kleinstwagen von Volkswagen bestellbar. | (CC) MLe
Auf der 64. IAA in Frankfurt am Main feierte die Serienversion des VW up! seine Weltpremiere. Mit dem Beginn des ersten Pressetages am 13. September 2011 startete auch die Möglichkeit der Vorbestellung des Volkswagen-Neuwagens, der die Wolfsburger Modellpalette nach unten ergänzen und vervollständigen soll.
Zugegeben, optisch erweist sich der up! nicht als Offenbarung. Etwas glupsch-äugig, mit verzerrtem, rund-gelutschtem VW-Gesicht kommt er daher. Der vordere Stoßfänger hängt scheinbar lustlos in der Luft und der nicht vorhandene Kühlergrill erinnert an den leidigen VW Passat B3, der schon Ende der 80er für Verächtlichkeit sorgen konnte. Auch das übergroße VW-Logo und die grässlichen Radzierblenden dürften Reminiszenzen auf alte Tage sein. Auch die Hinteransicht ist gewöhnungsbedürftig. Modern wirkt die gläserne Heckklappe, die allerdings aufgrund ihrer zu stark getönten Ränder die Sicht nach hinten einschränken. Schmucklos dagegen erscheinen die Rückleuchten.

Auch das Heck bleibt unspektakulär. Die breiten C-Säulen und massiven Seitenwände beeinträchtigen die Sicht. | (CC) MLe
En gros ist der up! ohnehin recht schmuck- und schnörkellos gezeichnet. Und obwohl scheinbare Einfachheit ein Ziel war, krankt der neue up! an typischen Mangelerscheinungen. Denn nicht nur die zu stark verdunkelte Heckscheibe schränkt die Rundumsicht ein. Auch die dieser Tage viel zu häufig viel zu massive C-Säule behindert die Sicht nachhaltig. Unverständlich, wieso ein Kleinstwagen so unübersichtlich sein muss. Immerhin verzichtet VW auf A-Säulen-Verunstaltungen. Nur eine schmale Säule zieht sich nach schräg vorne, ganz ohne zusätzliches vorderes Dreiecks-Fenster. Immerhin das ist praktisch für einen Neuwagen, der Stadtfloh sein möchte.

Keine Augenweide: Das Design des up! ist schlicht, verbindet Einfachheit mit Praktikabilität und Retro-Elementen. Doch bleiben Defizite in der Sicht nach hinten. Und der Passat B3--Gedächtnis-Kühlergrill trägt nicht unbedingt zum Charme des up! bei. | (CC) MLe
Insgesamt ist er einfach gehalten, und genau das soll er auch sein: einfach. Ein einfaches Auto für einfaches Geld des einfachen Volks. Das ist insoweit ein netter Gedanke, als dass Volkswagen damit wieder ein weitestgehend erschwingliches und vollwertiges Automobil anbietet.
Allerdings muss der VW up! angesichts dieser Prämisse auch etwas leiden. Das bloße, lackierte Blech der Türen, die von einer sparwütig geschrumpften Türverkleidung nicht bedeckt werden kann, wirkt billig. Um diesen Umstand zu kaschieren, wurde dieses Kompromiss-Design auf dem Armaturenträger fortgesetzt.
Gut, über das Design definiert sich der VW up! schließlich nicht. Da der Kleine Vernunftauto sein soll, dürften Designfragen und Geschmack eine untergeordnete Rolle spielen. Praktisch und günstig soll er sein. Was die Sicht nach hinten betrifft, scheitert das Projekt jedoch. Der Innenraum ist wie auch Design und Linienführung einfach und zweckmäßig gehalten. Für einen Neuwagen dieser Tage ist die Mittelkonsole des up! erfrischend schlicht. Kein Kleinkrieg der Mini-Piktogramme oder Knöpfchenflut. Übersichtlichkeit ist das Stichwort. So ziert die Mittelkonsole lediglich Klima- und Heizungsregler sowie ein CD-Radio. Dabei sind sowohl Klimaanlage als auch CD-Radio aufpreispflichtig. Ansonsten finden sich Neuwagen-Kunden erfreulich schnell und problemlos im Cockpit des up! zurecht. Alles hat seinen gewohnten Platz und liegt dort, wo es vermutet wird.

Schlicht und übersichtlich: das Cockpit des neuen VW up!. Navi, Klima, Radio und Drehzahlmesser sind jedoch aufpreispflichtig; wie so vieles im Lupo-Erben. | © VW AG
Der Einstiegspreis für die Basisversion des VW up! liegt bei 9.850,- €. Dann kommt er aber auch reichlich nackig daher. Generell ist die Karosserie nur teilverzinkt – aber das betrifft leider sehr viele Neuwagen-Modelle heutzutage. In der Grundausstattung gibt es – ähnlich wie im smart – keine Klappe für das Handschuhfach, diese gibt es nur im besser ausgestatteten VW move up!. Einen Make-up-Spiegel gibt es nicht, Gurtstraffer gibt es nur vorn, egal, welche Ausstattung gewählt wird. Es fehlen zudem ein Drehzahlmesser, ein Radio sowie die Klimaanlage. Möchte der Käufer für sein aufpreispflichtiges Radio mehr als zwei Lautsprecher, kostet das noch einmal 120,- € zusätzlich. Selbst asphärische Seitenspiegel, die zur Sicherheit beitragen, sind kostenpflichtig, im Grundmodell take up! sogar gar nicht bestellbar. Erst in der höherwertigen Linie move up! sind asphärische Spiegel bestellbar, allerdings nur in einem Winterpaket, das gekoppelt ist mit elektrisch einstell- und beheizbaren Seitenspiegeln sowie Nebelscheinwerfern und Sitzheizung vorn. Das Ganze für schlappe 390,- € bei einem Neuwagen, der eigentlich günstig sein soll. Warum sicherheitsrelevante Teile überhaupt extra bezahlt werden müssen, und welchen Sinn diese verachtenswerte Paket-Politik hat, dürfte sich dem menschlichen, kundenorientierten Verstand verschließen.

Klein, teuer und Opfer Wolfsburger Sparwut: Der neue VW up!. Für ein zeitgemäß ausgestattetes Modell des up! gibt es bereits einen 1.2er VW Polo. Im Detail wohl die bessere Option. | (CC) MLe
VW spart an allen Ecken und Enden und stellt mit seinem Basismodell des up! einen Anachronismus auf Rädern in die Läden. Um einen vernünftigen und zeitgemäß ausgestatteten VW up! zu erstehen, der zudem kein Verkehrshindernis darstellt, müssen schon über 13.000,- € für die 75 PS-Variante in die Hand genommen werden. Und mit so viel Geld in der Hand kann ich auch gleich zum VW Polo gehen. Der bietet mehr Auto für’s Geld.


